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Wie man das Scatt-Training auswerten kann

 

Am Freitag habe ich eine Luftgewehr-Auflage-Schützin mit der Scatt-Anlage trainiert. Und hier möchte ich Euch einmal meine Herangehensweise zeigen. Wichtig ist sich vorab ein Gesamteindruck zu verschaffen. Meist nehme ich dazu auch ein paar Fotos von Ihrem Stand und wichtigen Details auf. Wie heißt es so schön, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ein Detail kann z.B. der richtige Sitz der Schießbrille sein. Stellt man bei der Analyse der Scatt-Daten fest, dass der Schütze viele Zielfehler macht, dann ist dieses Bild eine gute Unterstützung.

Als erstes gucke ich mir das gesamte Schussbild an und vergleiche es mit dem Schussbild, welches man unter Optionen um Zielfehler bereinigen kann. Hierbei wird ganz einfach der Mittelpunkt des Trefferbildes auf die Mitte der Scheibe gelegt. Bei beiden Schussbilden wird auch die Ringzahl angezeigt. So kann man ganz einfach das Potential bei richtiger Visiereinstellung erkennen. Das ist häufiger bei Schützen mit „geringen Dienstalter“ zu erkennen.

Trefferbildanalyse

Bei diese Schützin ist hier kein Potential.

Aber heißt auch nicht, dass sie immer richtig gezielt hat. Diese Schüsse erkennt am in einer grossen Differenz zwischen den Werten „10.0“ und „10a0“, z.B. 38 % vs. 100 %.

38% 10,0 bedeutet, dass der Schütze in 38% der Zeitspanne von einer Sekunde vor dem Schuss bis zum Schuss mindestens eine 10,0 erreicht hätte. 100% 10a0 bedeuten, dass bei zentriertem Zielbild zu jedem Zeitpunkt in der letzte Sekunde vor dem Schuss mind. eine 10,0 erreicht worden wäre. Der Schütze hat einen Zielfehler gemacht oder die Visierung war nicht korrekt eingestellt.

 

Jetzt schaue ich in der Trainigsaufzeichnug wie häufig diese Fehler vorkommt und ob ein Muster zu erkennen ist.

Als nächsten betrachte ich den Wert ganz recht in der Datentabelle (ohne Überschrift). Er zeigt die Entfernung zwischen Mittelpunkt des Zielens und der Position des Treffers. Hohe Werte können z.B. folgende Ursachen haben:

– Tendenz nach rechts oder links -> ggf. Abzugsfehler (Position des Abzugsfingers beachten)

– Tendenz nach unten -> ggf. Nachlassende Spannung, kein Nachzielen

Den nächsten Wert den ich betrachte ist die Geschwindigkeit der Bewegung der Waffe beim Zielen „L/Länge“. Mit diesem Wert kann man sehr schön die Waffenruhe beurteilen. Dies ist auch der erste Wert, den ich mir angucke, wenn ich z.B. Änderungen an meinem Anschlag mache. Diesen Wert lasse ich mir auch bei jedem Schuss links unten während des Trainings anzeigen.

Interessant ist es diesen Wert im Zeitverlauf zu analysieren, z.B. ob man Potential bei der speziellen Kondition hat (wenn er im Verlauf des Training ansteigt) oder mehr Probeschüsse gebraucht hätte um auf „Betriebstemperatur“ zu kommen.

Durch den Datenextrakt und die Rohdatenanalyse gucke ich mir auch noch einmal die Korrellation zwischen Ringzahl und Dauer des Schussablaufes an, d.h. welchen Einfluss hat die Haltezeit auf den Schuss.

Die Analyse der schlechten Schüsse wir auch unterstützt durch die Grafik Ringzahlen vs. Zielweglänge.
Man erkennt, dass die schlechten Schüsse bei eine deutlich unruhigeren Waffe ausgelöst worden sind:


Wirft man ein Blick auf die Schussverteilung kann man erkennen wo das Potential liegt,
z.B. gilt es deutliche Ausreisser zu vermeiden oder gilt es durch kleine Veränderungen 9,9 zu 10,0 zu verändern:

So bringt das Training mit der Scatt Anlage viele Ansätze für Fehlerkorrekturen. Wichtig ist aber auch gutes Verhalten zu bestätigen. Dies wird häufig vergessen. Auch sollte der Trainer nur ein bis zwei Punkte ansprechen um den Schützen nicht zu überfordern. Die weiteren Punkte kann man dann beim darauffolgenden Training abarbeiten.

Hier findet Ihr auch ein Beispiel für eine Rohdatenanalyse eines Pistolenschützen:

Zusammenfassung Scattanalyse Alex

[learn_more caption=“Scatt USB Pro – Anlage für 849,- zu verkaufen“ state=“open“]

 

P.S.: Danke an Frank für die konstruktiven Anmerkungen.

 

3 Comments

  1. dvux

    Sehr schöner Artikel! Wir haben selbst eine Scatt Anlage im Verein, aber meistens hapert es an dem Wissen einer detaillierten Auswertung.

    Bin jetzt versucht beim nächstem Training die Anlage mal wieder Abzustauben und mich mal mal nach deinem Schema hier zu analysieren.

  2. Tarta

    Echt guter Artikel.
    Ich arbeite auch schon seit ein paar Jahren nach ähnlichen Auswertungsverfahren.
    für die Zielfehleranalyse, würde eine Prüfung der Standardabweichung um einen mittleren Zielzentrumspunkt über alle 40 Schüsse aber noch genauer Auskunft geben. Ich berechne die Standardabweichung aller X Koordinaten des Zielzentrumskreuzes und dies ebenso für die Y Koordinaten des Zielzentrumskreuzes. Diese Werte wären dann auch unabhängig von der Kalibrationsgenauigkeit.
    Wenn das gesamte Schussbild ins Zentrum verschoben wird, dann weiss man nicht genau, ob dieser Fehler tatsächlich durchs Zielen entstanden ist, oder durch eine fehlerhafte Kalibration.

    • Seimer

      Hallo Tarta,

      ich habe mich sehr über Deinen ausführlichen Kommentar gefreut. Du hast vollkommen recht. Man kann noch mehr ins Detail gehen. Dies habe ich z.B. in meiner Zulassungsarbeit für den Trainer A gemacht, die das Thema hatte:

      Zusätzliche Analysemöglichkeiten auf Basis der Rohdatenanalyse der Scatt-Trainingsanlage im Pistolenschiessen (Präzision):
      – Möglichkeiten der Clusterung
      – Potentialsanalyse

      Dort habe ich genau diese Cluster gebildet, die Signifikanz festgestellt und dann das Trefferbild aber auch den Zielweg für diese Cluster berechnet.

      Aber das war dann der Bereich wo viele Personen aussteigen 😉

      Deshalb versuche ich hier im Blog ein guten Mittelweg zu gehen und auf die Leser meines Blogs einzugehen.

      Gruß

      Stefan

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